Der tägliche Wahnsinn hat Methode

 



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Toleranz ist keine Einbahnstrasse

Geburtstage sind manchmal anstrengend.

Wenn sie allerdings zu einer echten Prüfung von Nerven und Belastungsgrenzen führen, bleibt die Frage, warum man sich das antut.

Heute zum Beispiel. Es ist eh für die arbeitende Bevölkerung schwierig, Rentnern beizubringen, dass Zeit ein begrenztes Gut ist und die Woche anstrengend war. Rentner kennen das nicht. Sie haben nie gearbeitet, hatten nie Streß und scheinen als Rentner auf die Welt gekommen zu sein. Wahrscheinlich wird beim ersten Auszahlung der Rente das Gehirn in MIB-Manier geblitzdingst. Es muss so sein. Aber dazu ein anderes Mal.

Heute auf dem Geburtstag der Schwiegermutter wäre also endlich mal wieder Zeit gewesen, sich mit der Verwandtschaft auszutauschen, gemeinsam zu reden und Zeit zu verbringen. Leider war ein Bekannter eingeladen, der mit seiner Gitarre ankam. Nach einem kurzen Gespräch über die Musikkultur der Jugend, unerträglichem Krach und Unverständnis darüber, wie man sich sowas länger als zehn Minuten anhören kann, wurde deutsches Liedgut angestimmt. Lautstark, falsch und mit Gitarrenuntermalung.

Als wir vom griechischen Wein zu Herzilein kamen, bin ich geflohen. In einigen Metern Abstand - die bei weitem nicht gereicht haben - kam es dann zu einer Unterhaltung der berufstätigen Fraktion.

Unsere Musik ist Krach, aber wenn ein Rentner mit Gitarre loslegt und fast zwei Stunden lang jede Unterhaltung blockiert und nicht mal die Massenflucht der Gäste bemerkt, ist es Kultur? Kein Ende in Sicht und bei den sieben Brücken hoffte ich, jemand würde dem alternden Duracell-Gitarren-Häschen die Batterien entfernen.

Irgendwann war - nach endlosen zwei Stunden - zumindest der Gitarrist sehr erschöpft. Der Rest der Gäste aber auch. Einige wenige vom Mitsingen, die anderen von der Beschallung. 

Ist es normal, dass man nicht mal mehr so aufmerksam ist, um zu bemerken, dass man zwar selbst Toleranz fordert, aber bei anderen die Toleranzgrenze deutlich überschreitet?

Es scheint fast so. Und weil wir Tolerant sind, hat keiner ehrlich rechtzeitig um die Beendigung der Gehör-Vergewaltigung gebeten. Je jünger man ist, desto mehr Toleranz muss man haben?

Nein, finde ich nicht. Ich verlange gleiches Recht für alle! 

Ein deutlicher Fall von Toleranz ist keine Einbahnstrasse - auch nicht im Alter.

In diesem Sinne: Augen zu und Gute Nacht. Dann wissen wir wenigstens, warum es zappenduster ist.

 

3.8.14 00:59


Danke, aber nein Danke

Mal wieder denke ich über den Wahnsinn nach, der sich in meiner Umgebung abspielt.

Derzeit erkranken immer mehr Menschen in meiner Umgebung an Unverträglichkeiten. Gluten und Laktose sind vorn mit dabei. Natürlich sind dies durchaus ernst zu nehmende Krankheiten, die einen (sehr geringen) Prozentsatz der Menschen leider quälen.

Ich muss in einem Nest leben, in dem sich alle Betroffenen dieses geringen Prozentsatzes aufhalten. Ein Ballungsgebiet sozusagen.

Sogar Menschen, die seit 50 Jahren munter Käse und Jogurth in sich hineingestopft haben, fragen in der Eisdiele urplötzlich nach laktosefreien Eissorten. Heulend stelle ich fest, dass ich als eine der wenigen letzten Genußsüchtigen nicht auf den Modezug der Lebensmittelunverträglichkeit aufspringe, und mich somit fast als Allesfresser ausgrenze.

Nichtallergiker zu sein, sollte ein anerkanntes Krankenbild sein, oder nicht? Dann wäre ich auch aufgenommen in Kreis der elitären Jammerlappen.

Natürlich kann man auch nicht mitreden, wenn an einem Tisch mit zwölf Personen mehr als 60% über ihre neuen Ernährungskonzepte sprechen. Und einer ist dabei, der gar keine Kohlenhydrate mehr zu sich nimmt. Muss was mit Religion zu tun haben. Allerdings ist eine Religion, die Spaghetti ablehnt, für mich auch nicht das Wahre.

Allergien sind die neuen ethischen Werte. So scheint es zumindest. 

Danke, aber nein Danke. Ich mag diese Mode nicht. Entweder man ist krank, oder man ist gesund. Das ist doch kein Selbstbedienungssystem. Da bekommt man den Eindruck, dass einige im Kühlregal in die laktosefreien Produkte gefallen sind und das Hirn resettet haben. Zeitgleich.

Mir tut jeder Leid, der diese Krankheit hat und deshalb gezwungen ist, bestimmte Dinge zu meiden (und diese Menschen würden alles tun, diese Dinge wieder essen zu können).

Ich werde also alleine in die Eisdiele meines Vertrauens fahren, die garantiert nicht eine Kugel laktosefreies Eis führen muss, um mich vollständig zufrieden zu stellen. 

Trotzdem bleibt die Frage: Sind wir so gelangweilt, dass wir uns schon Krankheiten aussuchen? Ist es so einfach, heute mal Laktoseintolerant und morgen eine Glutenallergie?

Und was sagt das über die Intelligenz unserer Spezies aus? 

In diesem Sinne - Augen zu und Gute Nacht. Dann wissen wir wenigstens, warum es zappenduster ist.

 

 

30.7.14 23:19


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